Lesetipp: The User Experience

Best Practice für Blickverlaufsanalysen

Quelle: “Eye Tracking the User Experience” ein Buch von Aga Bojko (Eng, 320 Seiten)

Best Practice für BlickverlaufsanalysenNun endlich ist es erhältlich. An vielen UX- und HCI-Konferenzen wurde oft darüber diskutiert. Es dauerte aber doch über 3 Jahre. Aga Bojko hat nun aus Sicht eines User Experience-Experten das Thema der systemischen Analyse von Blickverläufen und Wahrnehmung strukturiert und mit Beispielen ergänzt.

Ein Praxisbuch für UX Profis:

 

Ist visuelle Wahrnehmung wichtig?

Prüfung der visuellen Wahrnehmung

Die systematische Analyse des Blickverlaufs von Nutzern und das gezielte Prüfen der visuellen Wahrnehmung gegören zum Handwerk eines jeden guten Usability- und UX-Experten.

Das Beherrschen verschiedener Methoden gehört zum Handwerk eines jeden Usability- und UX-Experten. Auch die systematische Analyse des Blickverlaufs von Nutzern und die Prüfung der visuellen Wahrnehmung gehören dazu. Viele konnten an ihren Hochschulen erste Erfahrungen mit Eye Trackern sammeln, doch die Anwendung in der Praxis stellt manchmal eine Herausforderung dar.

Es gibt zwar viele einzelne Eye Tracking-Studien und technische Fachbücher, aber das Bindeglied, welche die wichtigen Teile dieser individuellen Dokumente für Usability- und UX-Experten zusammenfügte, hatte gefehlt. Aga Bojko hat nun dieses Wissen in ihrem Buch “Eye Tracking the User Experience” zusammengefasst und mit Beispielen aus der Praxis ergänzt.

 

Wer braucht Eye Tracking?

Agas einführende Frage zum Buch stellten sich wohl bereits die meisten UX Experten: „Was nützt mir Eye Tracking bei meiner Untersuchungen?“

Es ist wie zu fragen: “Was nützt mir ein Mikroskop?” Wer nur den Staub unter dem Bett sucht, braucht es nicht, wer aber die Staubmilbe sucht, braucht es sehr wohl. Es hängt also davon ab, was Sie suchen und mit was Sie und Ihr Auftraggeber zufrieden sind. Ist es der Staub oder ist es der Bug?

 

Ein Praxisbuch für UX Profis

Eyetracking-Heatmap

Die Auge-Geist-Hypothese (eye-mind-hypothesis) besagt, dass die Fixation und das Verarbeiten der Information im Gehirn eine grosse Korrelation haben, sobald der Nutzer ein klares Ziel hat.

Das Buch richtet sich an Usability-, UX- und UCD-Fachleute und vermittelt eine praktische Anleitung für diejenigen, welche die Blickanalyse zur Überprüfung und Verbesserung der Nutzerfreundlichkeit und der User Experience anwenden möchten.Aga legt dabei auch grossen Wert darauf, dass Eye Tracking nicht immer die Lösung sein kann. Eine kleine Checkliste hilft dabei, den Nutzen der Blickanalyse in einem Test zu evaluieren. Weitere Checklisten sind zum Beispiel, wie das Testdesign optimiert werden kann und wie Eye Tracking Systeme evaluiert werden.

 

Dieses Buch hilft Ihnen wenn:

  • Sie erwägen Eye Tracking in einer UX Studie anzuwenden, aber nicht sicher sind ob es Ihnen den erwarteten Nutzen bringt.
  • Sie kauften vor kurzem einen Eye Tracker und denken: “Was jetzt?”
  • Sie wenden seit längerem Eye Tracking an und möchten Ihr Repertoire und Wissen erweitern und verbessern.

Das Buch ist aber nicht nur für Eye Tracking-Interessierte hilfreich. Viele aufgeführte Tipps sind auch für Nicht-Eye-Tracking-Studien gültig. Und gute Tipps von Beratern internationaler Firmen, wie die GfK, können vielen UX- und UCD-Experten helfen, sich persönlich zu positionieren.

 

Was steht im Buch?

  • Part I: Why Eye Tracking?
  • Part II: Study Preparation
  • Part III: Data Collection
  • Part IV: Analysis and Reporting

Dieses Buch enthält alles, was Sie wissen müssen, um erfolgreich eine Eye Tracking-Studie durchzuführen. Es vermittelt zunächst einen Abriss zu grundlegenden Themen, wie die visuelle Wahrnehmung funktioniert und vor allem, warum man sich überhaupt die Mühe machen soll, den Blickverlauf zu untersuchen. Aga Bojko stellt dazu einen verbesserten Prozess für die Vorbereitung und Durchführung von UX Studien vor. Und natürlich wird auch hier das Frage „Wie viele Nutzer brauche ich für einen UX-Tests?” kritisch diskutiert.

Im dritten und vierten Teil wird es dann konkret: Der Leser erfährt wie man hochwertige Eye Tracking-Daten sammelt. Weitere Kapitel informieren im Detail, was mit den Daten geschehen soll und wie man nützliche Informationen daraus generiert. Qualitative und quantitative Analysen werden dabei detailliert beschrieben.

 

Was nützt es zu Wissen wohin Menschen blicken?

Peripheres Gesichtsfeld und scharfes Sehen bei einer Fixation

Obwohl das periphere Gesichtsfeld bis zu 180 Grad abdecken kann ist der Bereich mit einer scharfen visuellen Wahrnehmung von Details jeweils nur in einem sehr begrenzten Fixationsumfeld (foveal vision) zwischen 0.5 bis 2.0 Grad möglich.

Die Auge-Geist-Hypothese (eye-mind-hypothesis) entstand während jahrelangen wissenschaftlichen Studien der vergangenen Jahrzehnte. Sie besagt, dass die Fixation und das Verarbeiten der Information im Gehirn eine grosse Korrelation haben, sobald der Nutzer ein klares Ziel hat.

Dennoch gibt es Skeptiker die überzeugt sind zu wissen, dass es in keiner Weise sinnvoll ist, den Blickverlauf von Menschen zu analysieren. Ihr Argument ist dabei oft: “Ich muss nicht etwas genau fokussieren um es Wahrzunehmen.“ Man kann jemandem in die Augen schauen und erkennt trotzdem, welche Farbe sein T-Shirt hat.

Wenn Sie aber wissen möchten, welche Farbe ein T-Shirt hat, betrachten Sie sicher nicht nur das Gesicht des Trägers. Das hat 2 Gründe: (1) man kann die Details viel deutlicher erkennen, wenn man sie direkt anschaut, und (2) die Aufmerksamkeit auf etwas zu lenken und es dabei bewusst nicht zu betrachten ist unnatürlich und erfordert eine bewusste Anstrengung.

 

Aufmerksamkeit und Blickverlauf

Eyetracking Heatmap Fixationsverlauf

Die Aufmerksamkeit ist zeitlich dem effektiven Blickverlauf vorgelagert, denn die visuellen Reize planen jeweils das nächste Ziel eines Fixationssprungs der Augen vor der eigentlichen Fixation.

Interessant ist, dass die Aufmerksamkeit sogar zeitlich dem effektiven Blickverlauf vorgelagert ist, denn die visuellen Reize planen jeweils das nächste Ziel eines Fixationssprungs der Augen vor der eigentlichen Fixation.

Sobald der Blick ein neues Ziel fixiert, werden die nötigen Verarbeitungsressourcen für die Wahrnehmung bereitgestellt. Wie lange die gewonnen Eindrücke und Empfindungen dann im Gedächtnis haften bleiben, liegt aber in einem hohen Masse am Nutzen der Wahrnehmung ab.

Das Wissen, wohin die Aufmerksamkeit der Nutzer gerichtet ist, ist zum Beispiel bei der Bewertung und Verbesserung der Produktverpackung für den Hersteller überlebenswichtig. In jedem Verkaufsladen stehen die Konkurrenzprodukte so nahe daneben und werben mit Ihren Farben, Schriftzügen, Formen usw. um die Aufmerksamkeit der Konsumenten. Im Internet ist die Konkurrenz optisch (noch) nicht so nahe, aber wir wissen alle, sie ist nur ein Klick weit entfernt.

 

Warum betrachten die Leute das was sie betrachten?

Die Aufmerksamkeit wird ständig durch alles was wir betrachten, hören oder fühlen beeinflusst. Die willkürliche (Top-Down-) Aufmerksamkeit und die unwillkürliche (Bottom-Up-) Aufmerksamkeit unterscheiden sich darin, was den beteiligten Wahrnehmungsprozess lenkt.

  • Bei der Top-Down-Aufmerksamkeit sind höhere Verarbeitungsmechanismen vorhanden: Wissen, Erfahrungen usw. beeinflussen hier die Aufmerksamkeit.
  • Bei der Bottom-Up-Aufmerksamkeit ist die Wahrnehmung stimulusgetrieben.

Die Top-Down-Aufmerksamkeit wird bewusst gelenkt und kontrolliert. Es handelt sich dabei um eine aktive Informationssuche oder -erfassung, die ein gewisses Mass an mentaler Anstrengung erfordert (suchen, lesen, usw.).

Die Bottom-Up-Aufmerksamkeit beruht dagegen auf reflexartigen Abläufen. Sie wird unabhängig von der bewussten Absicht hervorgerufen. Wenn zum Beispiel im peripheren Gesichtsfeld ein Kontrast mit der Umgebung auftritt, lenken wir den Blick reflexartig dorthin und aktivieren gleichzeitig auch unser Aufmerksamkeitspotential.

Aga zeigt zu diesem interessanten Thema einige Beispiele auf und gibt Vorschläge, wie wir beiden Aufmerksamkeiten bewusst beobachten und evaluieren können.

 

Qualitative Insight:
Das Erkennen und Erklären von Usability Problemen

Eyetracking Insights

Die Blickverlaufsanalyse hilft die unbewussten Prozesse aufzudecken. So werden nicht die Symptome sondern die Ursachen der fehlenden Nutzerfreundlichkeit aufgedeckt.

Ein wichtiger Grund für die Beobachtung des Blickverhaltens ist, qualitative Einblicke in die kognitiven Prozesse der Anwender zu erhalten. Dabei sind die Zeitabschnitte, welche zwischen den leicht zu beobachtenden Ereignissen wie z.B. Mausbewegungen und Klicks oder anderen Interaktionen stattfinden, von Interesse.

Die Blickverlaufsanalyse hilft so, die oft unbewussten Prozesse, die zu diesen Ergebnissen geführt haben, aufzudecken. So werden nicht die Symptome sondern die Ursachen der (fehlenden) Nutzerfreundlichkeit aufgedeckt.

Aga erklärt zusätzlich noch zwei weitere Vorteile, welche die Blickverlaufsanalyse bietet. Einerseits kann der Moderator die Augenbewegungen in Echtzeit live verfolgen. Die zweite Möglichkeit nutzt den Blickverlauf als Unterstützung zum retrospektiven verbalen Interview.

 

Quantitative Insights:
Messen der Unterschiede

Bei Studien, in welchen Produkte oder Schnittstellen miteinander verglichen werden, sind quantitative Messwerte vom Blickverhalten der Anwender sehr nützlich, da sie objektive und vergleichbare Messresultate bieten.

Solche Methoden liefern Fakten für Entscheidungen, zum Beispiel, welche Design-Version ausgewählt werden sollte oder wann ein Produkt für die Markteinführung bereit ist. Die wichtigsten Eye Tracking-Metriken für UX-Studien sind im Kapitel 7 “Eye Tracking Massnahmen” aufgeführt und Kapitel 13 „Quantitative Daten Analyse” zeigt auf, wie sie zu interpretieren sind.

 

Wo bekomme ich das Buch?

Das Buch (ISBN-13: 978-1-933820-10-1) kann Online bei Rosenfeld Media bestellt werden.

 

Und wenn es eilt?

  • Falls Sie einfach nur mal im Buch schnuppern möchten
  • oder ein Buch ganz schnell kaufen möchten

Dann keine Panik. Wir haben für diesen Fall für Sie sicher noch eine Reserve-Kopie bei uns im Usability Labor im Technopark Zürich zur Verfügung.

 

Interessiert? Dann kontaktieren Sie uns unverbindlich >>>

 

Alle Bilder in diesem Eintrag wurden von Rosenfeld Media zur Verfügung gestellt. Besten Dank.