Lexikon Eintrag – Sakkade

Definition: Sakkaden

Die Sakkade ist eine schnelle ballistische Bewegung beider Augen die der Erfassung eines neuen Fixationspunktes dient. Eine einmal eingeleitete Sakkade kann nicht willkürlich unterbrochen oder in ihrer Richtung geändert werden. Sie verfehlen daher teilweise knapp ihre Ziele und werden noch reflexartig nachkorrigiert. Während dem Sakkadensprung werden keine Informationen aufgenommen, das Auge ist somit zeitweise „blind“.

Synonym: Saccade

Ausführliche Erklärung: Sakkade

Unsere Augen sind permanent in Bewegung. Während der sog. Fixationen werden optische Informationen bewusst wahrgenommen und verarbeitet. Schnelle Sprünge zwischen den Fixationen werden Sakkaden (lat.: ruckartig, stossartig) genannt; hier werden keine Informationen aufgenommen und verarbeitet. Während einer Sakkade ist das Auge also „blind“. Sakkaden sind folglich Blicksprünge die bewusst oder unbewusst, willkürlich oder unwillkürlich in unterschiedliche Richtungen erfolgen können. Sie sind als aktives Ereignis der Wahrnehmung zu betrachten und dienen der Aufnahme visueller Reize zur Suche, zur bewussten Informationserfassung oder zur Orientierung in der Umgebung.

Sakkaden erreichen Winkelgeschwindigkeiten bis zu 1000 Grad/s, haben Amplituden bis zu 60 Grad und dauern meistens zwischen 30 und 100 ms.

Beim Lesen von Texten werden beispielsweise jeweils zwei bis drei Buchstaben fixiert und dann überspringt das Auge in einer Sakkade, je nach Lesekompetenz, etwa fünf bis neun Buchstaben und fixiert dann erneut. Daher nehmen wir z. B. Tipp- und Rechtschreibfehler beim normalen Lesen nicht so gut wahr wie beim konzentrierten Suchen danach. Die Buchstaben und Worte zwischen zwei Fixationen werden dabei anhand von Mustererkennungen erraten.

Die Vorwärtssprünge des Auges zu einem folgenden Fixationspunkt bezeichnet man als Sakkaden, die Rückwärtssprünge als Regression, auch Regressionssakkaden genannt. Die Sakkaden werden bei zunehmender Komplexität oder Textschwierigkeit kürzer, während die Fixationen und Regressionen merklich zunehmen. Sehr lange Sakkaden dagegen erfolgen vor allem bei wenig strukturierten Objekten und bei der Orientierung in der Umgebung.

 

Eigenschaften:

  • Sakkaden unterscheiden sich in:
    • Intern ausgelöste Willkür-Sakkaden (Such-Sakkaden, Erinnerungs-Sakkaden, Lese-Sakkaden, Regressions-Sakkaden).
    • Extern ausgelöste Reflex-Sakkaden welche nach einem visuellen oder akustischen Reiz automatisch ablaufenden.
    • Spontane, zufällige Sakkaden.
  • Sakkaden-Dauer: typisch 30-80ms, max. ca. 100ms.
  • Sakkaden-Amplitude: typisch 4-20 Grad, max. ca. 60 Grad ohne Kopfbewegung.
  • Sakkaden-Geschwindigkeit: 30-500 Grad/s, max. ca. 1000 Grad/s.
  • Die Geschwindigkeit nimmt mit der Amplitudengrösse zu.
  • Wird das neue Blickziel nicht erreicht, erfolgt nach etwa 100-200ms eine Korrektur-Sakkade.
  • Man unterscheidet zwischen drei Korrektur-Sakkaden:
    • Dynamische Korrektur-Sakkade: ca. 20ms Korrekturdauer in Form einer weiteren Sakkade.
    • Gleitende Korrektur-Sakkade: ca. 200ms Korrekturdauer in Form eines gleitens (Drift).
    • Statistische Korrektur-Sakkade: Das Auge verharrt 100-200ms in der falschen Position, anschliessend erfolgt eine weitere Sakkade.
  • Sakkaden, welche durch verschiede Muskelpaare ausgelöst werden sind unabhängig und können sich beliebig überlagern.